Katharina Issler ist eine überzeugte BoE-Anwenderin und unterstützt Satt & Selig ab und zu bei den Kursen. Sie hat unsere Fragen schriftlich beantwortet.

1. Was hat dich dazu bewogen, deine Ernährung umzustellen resp. die BoE auszuprobieren? Wie lange hat die Umstellung gedauert und wie ist es dir dabei gegangen?

Ich habe ja mein halbes Leben lang Wege gesucht, um besser zu schlafen und mehr Energie zu bekommen. Die Dauermüdigkeit, der löcherige Schlaf und noch eine Anzahl weiterer Bresten waren Anlass, mich jahrzehntelang mit den verschiedensten Therapieformen zu beschäftigen.

Mittlerweile habe ich sehr, sehr vieles ausprobiert oder auch intensiv gelernt, z. B. Schüsslersalze, Focusing, Aromatherapie, Typenpolare Atmung, oder Pendeln.

Ich bin ja grundsätzlich sehr neugierig in Bezug auf Komplementärmedizin, sinnvolle Ernährungsformen, Techniken wie Focusing oder Meditation und so weiter. Manches habe ich beibehalten, anderes wieder verworfen.

Als mir eine Freundin begeistert von BoE erzählte (was sie aber selber noch nicht ausprobiert hatte), habe ich ein wenig recherchiert und bald war meine Neugier geweckt. Ein erster Kurs regte meinen Forschungsdrang sehr an und ich begann bald, mich intensiv mit BoE zu befassen. Ich hatte mich jahrelang mit dem Gedanken getragen, eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin zu machen; das Prinzip BoE war aber das erste, das mich wirklich voll überzeugte.

Die erste Umstellung ging sehr schnell – ich war ja auch nicht so weit entfernt von der BoE. Unser Frühstück bestand damals unter anderem aus Misosuppe (warm und salzig), und ich hatte nach vielen Vegi-Jahren wieder angefangen, ab und zu etwas Fisch oder Fleisch zu essen. Die Verfeinerung dauerte natürlich, und das permanente Ausbalancieren bleibt eine Lebensaufgabe. Es ging mir sehr gut dabei, vor allem, weil ich auch bald Änderungen bemerkte. Und weil ich es total spannend fand.

2. Was hat dich von Anfang an überzeugt an dieser Ernährungsform?

Der Einstieg ist ja sehr niederschwellig, man kann einfach mal ausprobieren. Es braucht keine Spezialgeräte, keine Investitionen in kostspielige Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel, keine Therapeutin – ausser man will es dann wirklich genauer wissen und eine Beratung haben.

Schon immer haben mich diese pauschalen Ernährungsempfehlungen genervt: Müsli ist gesund, Orangensaft ist gesund, Fleisch ist ungesund, Fleisch braucht es unbedingt, tierische Fette sind pfui, Intervallfasten ist das einzig Wahre, Ayurveda ist das Nonplusultra…, und immer gilt für alle und für jeden dasselbe. Das war mit ein Grund, dass ich nie eine entsprechende Ausbildung angefangen habe.

Dass in der BoE Konstitution, Lebensumstände, Jahreszeiten usw. eine Rolle spielen, hat mich sofort überzeugt. Und dass auch eigene Erfahrungen einen Stellenwert haben.

Weil sich seit den 1950er, 1960er Jahren, als die BoE entstand, vieles geändert hat – nur schon das Nahrungsmittelangebot, aber auch z. B. die Mobilität (fliegen, Reisen in andere Länder, Kulturen, Klimazonen, unsere Umweltsituation) – gibt es noch eine Menge zu erforschen. Das finde ich sehr spannend.

Wenn jemandem das aber alles zu kompliziert ist, kann man sich auch einfach mal an gewisse simple Regeln halten und schauen, was passiert. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass relativ rasch etwas passiert! Und das, ohne zu hungern, ohne dass man sich ständig kasteien muss. Man darf ja eigentlich alles essen, ausser den bekanntlich nicht sehr bekömmlichen Dingen wie Convenience food und Zucker und ähnliches.

3. Welchen Einfluss hatte die Umstellung auf deine Mitwelt (Kinder, Familie, Partner, Arbeitsplatz, Freunde)?

Mein Partner, der fast immer kocht, war manchmal richtig verzweifelt und fand, er wisse gar nicht mehr, was er mir aufstellen könne. Das hatte aber weniger mit dem „Was“ als mit dem „Wie“ zu tun. Das Gemüse nach BoE zuzubereiten, fand er ziemlich blöd (braun und knusprig soll es sein!).

Ausserdem habe ich angefangen, nach mehr als vierzig vegetarischen Jahren, ab und zu etwas Fleisch zu essen, was ihm sehr passte; schnell war es mir aber zu viel des Guten, und das führte auch zu Diskussionen. Das salzige Frühstück kam ihm sehr entgegen.

Die erwachsenen Kinder lächelten über den neusten Spleen der Mama, meine Tochter besuchte dann aber doch bald einmal mit Freundinnen einen Grundkurs bei Susanne, und sie hat das eine oder andere von BoE adaptiert.

Auch bei einigen Freundinnen von mir ist vom Erzählen und Beobachten etwas hängen geblieben, und verschiedene haben einen Grundkurs mitgemacht, einige sind sogar BoE-Fans geworden.

4. Welche Nahrungsmittel lässt du seit der Umstellung problemlos weg / hast du keine Lust mehr drauf?

Confi- und Honigbrötli! Seit ewiger Zeit esse ich nichts Süsses mehr zum Frühstück, und es fehlt mir überhaupt nicht. Unsere Confivorräte werden nach und nach in kleinen Mengen, mit Schlagrahm vermischt, zu Desserts verarbeitet!

Ich brauche überhaupt viel weniger Süsses, mit Torten und so kann man mich verjagen. Ein bisschen schwarze Schokolade nach dem Mittagessen gehört aber schon dazu. Auch ein kleines Dessert geniesse ich.

Eine Zeit lang habe ich regelmässig Porridge und Apfelkompott zum Frühstück gegessen, mit der Idee, dass mir ein warmes Frühstück vielleicht besser bekäme als Müesli mit kühlendem Joghurt und rohen Früchten. Mit Äpfeln habe ich mittlerweile ganz aufgehört, ich esse überhaupt viel weniger Früchte, und wenn, nur richtig reife. Und eher am Nachmittag zum Zvieri.

Saure, unreife Früchte gluschten mich gar nicht mehr. Ich habe das Gefühl, das habe sehr viel ausgemacht in Bezug auf mein schmerzendes Gewebe.

5. Was hat sich positiv verändert seit der Umstellung?

Ich schlafe wesentlich besser. Bin dadurch ausgeruhter und am Tag viel weniger müde.

Meine jahrelangen Rückenschmerzen sind quasi verschwunden, ebenso meine hartnäckigen Schmerzen im Gewebe und in den Gelenken (ähnlich wie Dauer-Muskelkater), die mir den Yogaunterricht und das Gärtnern (und das Schlafen) vergällten. Kürzlich hatte ich wieder solche Schmerzen, und ich bin fast sicher, dass ich im Frühling eine Zeitlang zu viel Gemüse mit Oxalsäure gegessen habe. Nachdem ich mit Spargeln, Krautstiel, Spinat und Co. vorsichtig war, hat es wieder gebessert.

Ich habe innert recht kurzer Zeit etwa fünf Kilo zugenommen, nachdem ich das jahrelang probiert hatte und es mir nicht gelungen war. Ich musste mich leider von einigen Hosen trennen… aber ich bin seither viel mehr „bödelet“ (geerdet), nicht mehr ganz so dünnhäutig, wohl auch etwas weniger elektrosensibel.

Ein Daumen, den ich nicht mehr richtig beugen konnte, weil mir das so weh tat, ist wieder ganz flexibel, auch die Knie machen wieder alles mit (ausser Yogapositionen, für die sie nicht gemacht sind).

Es gibt aber auch Bresten, die sich überhaupt nicht verbessert haben; da bin ich am Forschen und Ausprobieren…

6. Bitte zähle deine Lieblingsspeisen auf und wieso du diese liebst.

Oh, da gibt es jede Menge. Ich esse grundsätzlich gern und eigentlich müsste ich eher aufzählen, was ich nicht so gern habe…

Z. B. Blumenkohl. Saure Früchte. Gewisse intensive Käse. Grosse Fleischmocken. Gelbe Erbsen. Wein. Kaffee. Blöterliwasser. Sehr scharfe oder sehr stark gewürzte Gerichte. Sehr süsses Zeug. Ich probiere aber von allem, einfach ganz wenig.

Was ich sehr liebe, ist Rahm. Eine Ernährungsweise ohne Rahm fände ich sehr traurig!

7. Erkennst du seit der Umstellung die Bedürfnisse deines Körpers besser, schneller?

Früher bin ich manchmal x-mal in der Nacht aufgewacht, habe sehr löcherig geschlafen und war auch nie richtig erholt.

Mittlerweile habe ich gelernt, dass ich mich über häufiges nächtliches Aufwachen nicht aufregen muss, sondern dass ich das als Alarmsignale meines Körpers verstehen kann.

Entweder, weil mein Kreislauf zu stark absackt – das zeigt sich oft auch an einem Schweissausbruch – oder weil ich in eine Unterzuckerung gerate. Dann weckt mich der Körper und sagt: Achtung, aufpassen! Das Kreislauftief konnte ich früher überhaupt nicht einordnen, und auch den Hunger habe ich nicht erkannt, weil ich ja mitten in der Nacht gar keine Lust zum Essen habe.

Mittlerweile weiss ich, was ich tun kann: Um den Kreislauf etwas anzukurbeln, mache ich mir einen kurzgezogenen 15 Sek. Schwarztee, von dem ich nur ein paar Schlucke trinke. Manchmal stelle ich mir auch schon beim Zubettgehen eine kleine Thermosflasche mit Schwarztee neben das Bett. Und wenn ich Hunger habe – das kann schon kurz nach dem Einschlafen sein, aber auch um vier oder fünf Uhr morgens –dann warte ich gar nicht lange, sondern stehe auf und esse ein Butterbrot oder eine Schale Tsampa (geröstetes Gerstenmehl, tibetische Spezialität) mit einigen Rosinen. Nachher kann ich fast immer prima wieder einschlafen, was mir früher nie gelungen ist.

Mittlerweile weiss ich recht gut, mit welchen Lebensmitteln ich gut durch die Nacht komme. Wenn es z. B. Kartoffeln zum Znacht gibt, weiss ich jetzt im Voraus, dass mir das nicht genügen wird und dass ich vor dem Schlafengehen noch etwas essen muss.

Dass Bettmümpfeli in der BoE „legal“ sind, hat mich da sehr entlastet. Dass hingegen „Einschlaftees“ wie Hopfen oder Orangenblüten bei mir kontraproduktiv sind, weil sie viel zu dämpfend wirken, war ebenfalls eine Erkenntnis dank BoE.

8. Wie unterstützt du deine Gesundheit sonst noch, ausser mit der BoE?

Ich versuche, zweimal pro Woche ins Training in ein Rückenstudio zu gehen. Ganz ohne Begeisterung, aber stur. Ausserdem mache ich immer mal wieder einen strammen Spaziergang, auch wenn ich eigentlich gar keine Lust oder Zeit habe. Oder ich schwinge eine Weile auf dem Trampolin (Rebounder). Ausserdem mache ich YinYoga, das gefällt mir sehr.

Und ich probiere, Bewegung unkompliziert in meinen Alltag einzubauen, im Sinn von Einbeinstand vor dem Kochherd oder Dehnübungen beim Zähneputzen.

9. Welchen Tipp würdest du unseren Leserinnen mit auf den Weg geben?

Den ersten BoE-Versuch locker angehen: erst mal gar nichts weglassen – dann bist du nämlich schon bei der Idee von Diät und Entbehrung – sondern nur ausprobieren, gewisse Dinge zu anderen Zeiten zu essen (oder zu trinken, den Kaffee zum Beispiel).

Vielleicht passiert ja schon etwas… und vielleicht bekommst du Lust auf weitere Versuche?

10. Wie lautet deine ganz persönliche Definition von Gesundheit, wie weisst du, dass du gesund bist?

Wenn ich am Morgen gern aufstehe.

Ganz herzlichen Dank, liebe Katharina, für den Einblick in deine BoE-Welt und die Zeit, die du dir dafür genommen hast!